Ostchor-Orgel

Kaul-Orgel

Aus der Einweihungsschrift 1989:

Der gotische Ostchor der Johanneskirche Weinsberg konnte seit seiner Renovierung im Jahr 1974 kaum genutzt werden, da kein Begleitinstrument für gottesdienstliche Feiern zur Verfügung stand. Seit 1983 rückte eine Reihe von 2 bis 3 kammermusikalischen Konzerten jährlich diesen Raum den letzten Jahren wieder mehr ins Bewußtsein der Öffentlichkeit. Die freundliche Helligkeit, die herrliche Akustik, die intime Atmosphäre (und nicht zuletzt die angenehme Fußbodenheizung) boten den idealen Rahmen für diese Veranstaltungen.

Weil man diesen Raum auch für kleinere Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten (denkbar auch als "Winterkirche" wahrend der kalten Monate) nutzen wollte, nahm der Kirchengemeinderat mittelfristig die Beschaffung einer Orgel für den Ostchor in Aussicht. Sehr kurzfristig kam das Projekt dann ins Rollen, als die katholische Kirchengemeinde Tauberbischofsheim im September ihre Orgel "ganz oder teilweise" zum Verkauf anbot. Eine Prüfung des Angebots durch die Orgelbauer Junger und Kaul vor Ort ergab, daß das Rückpositiv dieser Orgel sowohl in technischer als auch in musikalischer Hinsicht den Grundstock für eine Kleinorgel im Ostchor bilden konnte.

Auch konnten die groBen (und damit teueren) Pfeifen des Pedalregister "Subbaß" aus dieser Orgel günstig erstanden werden. Der Kirchengemeinderat beschloß den Ankauf dieser Teile und beauftragte den Orgelbauer Marcus Kaul mit dem Bau der Orgel. Zwei weitere Register,ein über hundert Jahre altes "Gedeckt" (Holz) aus der alten Eberstädter Orgel und ein "Pommer 8" aus dem Rückpositiv der Weigle-Orgel der Johanneskirche (der 1980 durch ein kräftigeres Grundregister ersetzt worden war) ,sollten in der neue Orgel ebenfalls ihren Platz bekommen. Der finanzielle Grundstein wurde wurde durch eine sehr großzügige Spende eines Weinsberger Mitbürgers gelegt.

Wenn wir nun heute, ein Jahr danach, anstelle einer "Kleinorgel" ein zweimanualiges Instrument mit bisher 13 Registern und einigen technischen Besonderheiten (siehe Beschreibung) einweihen durfen, so haben wir das in erster Linie dem großen Können und dem keineswegs selbstverständlichen Arbeits- und Zeiteinsatz des Orgelbauers Marcus Kaul zu verdanken, der mit diesem Instrument in über 2000 Arbeitsstunden seine Vorstellungen eine Orgel zum Nutzen unserer Gemeinde verwirklicht hat. Wir hoffen sehr, wir die noch fehlenden 7 Register in Bälde einbauen konnen, damit das Werk vollendet wird.

Ergänzung:

Inzwischen sind alle Register mit Pfeifen besetzt, die Orgel ist vollständig. 2013 wurde im Zuge der Ausreinigung die historische Bach-Stimmung in eine gleichstufig temperierte geändert. Das Register Koppelflöte 4' wurde durch ein gebrauchtes Salicional 8' ersetzt. Orgelbaumeister Christoph Dörr intonierte einige Register meisterhaft um, wodurch die Orgel ein homogen verschmelzendes Klangbild gewann.